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"Der Kerle muss noch ein bisschen essen", stellt Richard Braitsch mit einem Schmunzeln fest. Vor den Augen der Fünftklässler von der Bickeberg­schule hat der Kammerverwalter der Historischen Narrozunft Vilingen zusammen mit Ehrenzunftmeister Karl-Heinz Fischer ihren Mitschüler Milan in einen kleinen Narro verwandelt.

Kindern das Brauchtum der Fasnet näherzubringen, hat sich die Lehrerin Fenke Härtel zum Ziel gesetzt. Viele ihrer Schüler seien an der Fasnet aktiv beteiligt, aber nicht bei der Zunft. Andere seien in der Stadt, um sich die Umzüge anzuschauen. So liegt es ihr am Herzen, ein Bewusstsein für diesen Schatz zu schaffen und den Kindern die Augen für das Fasnettreiben zu öffnen. Sowohl die Fünftklässer als auch die Grundschüler haben sich so im Unterricht mit den Villinger Traditionen beschäftigt. Und bei der Zunft rannte Fenke Härtel offene Türen ein, als sie einen Ausflug in die Zehntscheuer anregte. Nach den Erst-, Zweit- und Viertklässlern machte sich diese Woche die erste Gruppe der Fünftklässler auf den Weg in das historische Gebäude im Riet, das ehrenamtliche Helfer der Zunft seit rund sechs Jahren in ein Schmuckstück verwandeln. Braitsch, Fischer und Ehrenratsherr Edgar Sturm freuten sich, dass eine so große Schar mit 43 Kindern gekommen war. Kaum hatte Fischer in kurzen Zügen die Zehntscheuer und ihre historische Bedeutung erläutert, nahm Braitsch die Kinder mit in sein Reich: die Häskammer im Dachgeschoss. In der aufgeweckten Runde stellte sich schnell heraus, dass der Nachwuchs schon so einiges gelernt hatte: "Die Narros haben die anderen veräppelt", meint ein Mädchen. Der andere weiß, dass es sich bei den Tieren auf dem Kittel um Hase und Fuchs handelt. Vom Wissen der Kinder angetan, greifen Braitsch und Fischer die Bemerkungen auf, erzählen von den Tagen des ausgelassenen Feierns vor der langen Fastenzeit und der Chance, anonym hinter der Scheme den anderen die Meinung zu sagen. "Da könnt ihr auch dem Bürgermeister mal erklären, was Sache ist", stellt Braitsch fest, macht aber auch klar, dass das Strählen Grenzen hat. "Ihr dürft die Menschen nie beleidigen, höchstens deftig sein". Das eine oder andere freundliche Wort sei durchaus willkommen. Die Geschichten rund um die Fasnet und die Figuren der Narrozunft ziehen die muntere Truppe in Bann. Zumal auch an die Praxis gedacht ist. Dany, der eigentlich als Hexe unterwegs ist, scheint sich im Häs des Butzesels wohlzufühlen. Ebenso wie Milan, an dem Braitsch und Fischer Schritt für Schritt zeigen, wie sich der Narro anzieht. Und nach den ersten Versuchen an der Hand des Kammerverwalters klappt sogar schon der Narrosprung ganz gut. Da kommen dann alle zum Zug: Einer nach dem anderen hängt sich die Rollen um und übt sich im Schütteln. Ohne zu proben geht dem Nachwuchs übrigens schon das ein oder andere Sprüchle über die Lippen: "Giizig, giizig, giizig isch de Narro" tönt es durch die Häskammer, um an einen Malzer zu kommen. Bei all den Überraschungen verfliegt die Zeit wie im Nu. Und schon verabschieden sich die Schüler mit eine dreifachen Narri-Narro. Bestens für die Umzüge samt Maschgerelauf vorbereitet, sagt jetzt bestimmt keiner mehr Maske statt Scheme oder Schellen zu den schweren Rollen.
Aus Schwarzwälder Bote Von Martina Zieglwalner